Hört auf, auf Führung einzudreschen!

Beitrag - Hört auf, auf Führung einzudreschen!

1.480 Wörter, 8 Minuten Lesedauer.

Häme ist bequem. Du sitzt sicher auf der Tribüne, kennst das Ergebnis im Nachhinein und verteilst Punkte.

Das Problem: Auf der Tribüne wird niemand besser. Nicht die Person, die Du kritisierst. Und auch nicht das System, in dem Entscheidungen getroffen werden.

Wenn Du Unternehmer:in bist oder ein Team führst, kennst Du die Realität: Verantwortung ist kein Titel. Sie ist ein Zustand. Ein Wechselbad aus „ganz oben“ und „ganz unten“. Und manchmal kommt die Klarheit erst, wenn Du einmal durchs Feuer gegangen bist.

Was mich daran so nervt: Super-Ratschläge aus sicherer Distanz. Und diese endlosen Listen, was CEOs „alles falsch machen“. Als wäre Führung ein Freizeitprojekt, das man mal eben optimiert, wenn man nur die richtigen Bulletpoints gelesen hat.

Direkte Antwort

Führungskräfte zu kritisieren bringt nur dann etwas, wenn die Kritik zu Klarheit führt: zu besserem Entscheiden, sauberer Reflexion und konkreter Umsetzung. Häme und Shaming machen niemanden besser, weil sie weder die Last echter Verantwortung berücksichtigen noch eine Lösung erzeugen. Was wirkt, ist Dialog: Respekt vor Leistung, Verständnis für Entscheidungsdruck und Sparring statt Draufhauen.

Worum es in diesem Beitrag wirklich geht

Ich sage es so klar wie im LinkedIn-Beitrag: Häme macht niemanden besser. Klarheit schon.

Das ist keine Bitte um Schonung. Und auch kein Freifahrtschein für schlechte Entscheidungen. Es ist ein Plädoyer für etwas, das gerade oft fehlt: Haltung.

Denn der öffentliche Reflex ist häufig: Draufhauen. Talkshows, Artikel, Posts – und am Ende klingt es, als wären Führungskräfte wahlweise unfähig, unnahbar oder schuld an allem.

Nur: Führung ist nicht „oben sitzen und gewinnen“. Führung ist Druckzone. Mit Nebenwirkungen.

Warum „Mal Butter bei die Fische“ hier angebracht ist

Den Job schenkt Dir keiner.

Verantwortung übernehmen heißt:

  • Entscheidungen unter Druck treffen
  • mit Risiken leben
  • Konsequenzen tragen
  • aushalten, dass nicht alle klatschen

Das ist keine Komfortzone. Das ist Hochspannung.

Und genau deshalb ist die beliebte Sportart „Führung bashen“ so schräg. Nicht, weil Führung unantastbar wäre. Sondern weil sie zu oft aus sicherer Distanz passiert ohne echtes Interesse daran, dass etwas besser wird.

Führung ist kein Freifahrtschein, aber auch keine Projektionsfläche

Wichtig, damit wir uns nicht missverstehen: Führung ist kein Statusschild, hinter dem man sich versteckt.

Aber: Wenn wir Führung ständig als Schuldigen-Sammelbecken behandeln, produzieren wir vor allem eines – Abwehr.

Abwehr sieht dann so aus:

  • Fehler werden versteckt (weil Gesichtsverlust droht)
  • Entscheidungen werden verzögert (weil jede Entscheidung angreifbar ist)
  • Verantwortung wird delegiert oder verwässert (damit niemand der Blitzableiter ist)

Und das ist das Gegenteil von dem, was wir angeblich wollen.

Was es jetzt braucht und warum das keine Kuschelpädagogik ist

Im Beitrag ist es glasklar benannt: Es braucht nicht noch mehr Häme, sondern Haltung. Konkret:

  • Respekt vor der Leistung, nicht vor der Macht.
  • Verständnis für die Last, die echte Entscheidungen mit sich bringen.
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Sparring statt Shaming, Reflexion statt Reflexe.

Das ist nicht weich. Das ist wirksam.

Denn Respekt heißt nicht, dass Du alles gut findest. Respekt heißt, dass Du die Realität anerkennst, in der jemand handelt und dann so sprichst, dass Lernen möglich bleibt.

Warum das Thema im Alltag von Unternehmer:innen und Führungskräften knallt

Wenn Du selbst Verantwortung trägst, kennst Du diese Mischung:

  • Du hast zu viele Themen gleichzeitig auf dem Tisch.
  • Du musst entscheiden, obwohl die Datenlage nicht „perfekt“ ist.
  • Du spürst den Erwartungsdruck: von Team, Kunden, Gesellschaftern, Markt.
  • Du weißt, dass jede Entscheidung Nebenwirkungen hat.

Und während Du versuchst, in diesem Feld eine saubere Linie zu halten, kommt von außen die Kommentarspalte: „Wie kann man nur…“

Das Problem daran ist nicht nur der Ton.

Das Problem ist: Es ersetzt Denken durch Reflexe. Und Reflexe sind in Führung oft teuer.

Was häufig falsch verstanden wird

Es gibt ein paar typische Denkfehler, die dieses Thema verzerren:

„Wer führt, muss das abkönnen“

Ja: Resilienz gehört dazu.

Aber „abkönnen“ ist nicht der Maßstab für bessere Führung. Der Maßstab ist: Wird Führung durch den Umgang damit besser oder schlechter?

Wenn der Umgang nur aus Häme besteht, wird es nicht besser. Dann wird es zäher, defensiver, politischer.

„Kritik ist doch wichtig“

Absolut.

Die Frage ist nur: Welche Form von Kritik wirkt weiterbringend?

Kritik, die auf Schuldige zielt, ist schnell. Kritik, die auf Klarheit zielt, braucht Haltung.

„Die da oben sollen sich nicht so haben“

Gute Führung nützt nicht „den da oben“.

Sie nützt Mitarbeitenden, Teams, Kunden, Gesellschaft. Genau deshalb ist das Thema so relevant: Wenn wir Führungskultur beschädigen, zahlen alle mit.

Dialog statt Draufhauen: Was das praktisch bedeutet

Im Beitrag steckt ein klarer Anspruch: Wenn wir Verantwortung, Fehlerkultur und Zukunftsorientierung ernst meinen, dann braucht es Dialog.

Wie sieht das praktisch aus?

1) Trenne Person und Entscheidung

Du kannst eine Entscheidung hart kritisieren, ohne die Person zu entwerten.

  • Fokus: „Was war die Annahme? Was war der blinde Fleck?“
  • Nicht: „Wie kann man so inkompetent sein?“

Das eine öffnet Reflexion. Das andere schließt sie.

2) Beschreibe die Last, bevor Du Lösungen verteilst

Wenn Du helfen willst, zeig zuerst, dass Du verstanden hast, in welcher Druckzone entschieden wurde.

Das heißt nicht „Entschuldigen“. Das heißt: Kontext schaffen, damit man an der richtigen Stelle ansetzen kann.

3) Mach aus Kritik eine Frage, die Denken triggert

Ein Satz, der hilft, ist oft unspektakulär:

  • „Welche zwei Optionen waren realistisch und was hätte jede gekostet?“
  • „Welche Nebenwirkung habt ihr bewusst in Kauf genommen?“
  • „Was würdest Du beim nächsten Mal früher klären?“

Das ist Hilfe zur Selbsthilfe.

4) Organisiere Sparring statt Shaming

Wenn Du wirklich willst, dass Führung besser wird, dann braucht es Räume, in denen offen gedacht werden darf ohne Gesichtsverlust.

Sparring bedeutet:

  • Entscheidungen sortieren
  • Risiken benennen
  • Konsequenzen abwägen
  • eine tragfähige Linie finden

Und dann: Umsetzung.

Ein mögliches Beispiel

Stell Dir folgende Situation vor:

Eine Geschäftsführerin muss innerhalb von zwei Wochen entscheiden, ob ein wichtiger Kunde gehalten wird – allerdings nur, wenn sie intern Prozesse umbaut, Rollen neu schneidet und kurzfristig Kosten schluckt. Das Team ist schon am Limit, die Zahlen sind eng, und jede Option hat klare Nebenwirkungen.

Von außen wirkt es leicht: „Warum entscheidet sie nicht einfach?“

In der Realität ist es Hochspannung: Sie entscheidet nicht zwischen „gut“ und „schlecht“, sondern zwischen zwei Varianten von Risiko.

Wenn in dieser Lage nur draufgehauen wird („unfähig“, „zögerlich“, „typisch Führung“), passiert Folgendes: Sie schützt sich. Kommuniziert weniger. Holt weniger Feedback ein. Und Fehlerkultur wird zur Sonntagsrede.

Wenn stattdessen Sparring passiert („Welche Entscheidung ist tragfähig? Was brauchst Du für Klarheit? Welche Nebenwirkungen akzeptierst Du bewusst?“), wird Führung besser nicht bequemer, aber besser.

Was Du für Deine Situation mitnehmen kannst

Wenn Du gerade selbst in Verantwortung stehst oder in einem Team arbeitest, das unter Entscheidungsdruck leidet – dann nimm das Wesentliche aus dem Beitrag mit:

  • Häme ist keine Strategie.
  • Shaming erzeugt Abwehr, nicht Verbesserung.
  • Führung braucht Haltung: Respekt vor Leistung, Verständnis für Last, Sparring für Klarheit.

Und wenn Du kritisierst (musst Du oft):

  • Kritisiere so, dass daraus Denken entsteht.
  • Formuliere so, dass Reflexion möglich bleibt.
  • Ziele auf Wirkung, nicht auf Applaus.

Mehr Respekt. Mehr Wirkung. Für alle.

Häufige Fragen zu respektvoller Kritik an Führung

Wie kann ich Führung kritisieren, ohne abzuwerten?

Indem Du Entscheidung und Person trennst. Beschreibe zuerst, was Du konkret beobachtest (Entscheidung, Kommunikation, Ergebnis) und welche Wirkung das hat. Dann stell Fragen, die zu Klarheit führen: Welche Annahmen lagen zugrunde? Was wurde unterschätzt? Was wird beim nächsten Mal früher geklärt? So bleibt die Kritik hart in der Sache und respektvoll im Ton.

Warum macht Häme Führung oft schlechter?

Weil Häme nicht auf Lernen zielt, sondern auf Beschämung. In Druckzonen führt das fast automatisch zu Abwehr: weniger Offenheit, weniger Dialog, mehr politisches Verhalten. Fehler werden dann eher versteckt als aufgearbeitet. Klarheit entsteht so nicht und ohne Klarheit wird Führung nicht besser.

Was bedeutet „Sparring statt Shaming“ im Führungsalltag?

Sparring heißt: Eine Entscheidung gemeinsam sortieren, ohne dass jemand sein Gesicht verliert. Es geht um Klarheit, nicht um Recht haben. Praktisch kann das ein strukturierter Austausch sein, der Optionen, Risiken, Nebenwirkungen und nächste Schritte sichtbar macht. Shaming dagegen produziert meist nur Schuldige – und lässt die eigentliche Arbeit (sauber entscheiden und umsetzen) liegen.

Wie entsteht eine Fehlerkultur ohne Gesichtsverlust?

Indem Fehler als Lernmaterial behandelt werden, nicht als Charaktertest. Entscheidend ist der Umgang: Wird offen reflektiert, was zur Entscheidung führte, welche Nebenwirkungen entstanden und was daraus folgt? Oder wird jemand öffentlich „markiert“? Eine Fehlerkultur ohne Gesichtsverlust braucht Respekt, klare Sprache und Räume, in denen Reflexion möglich ist, gerade unter Druck.

Welche Form von Kritik wirkt wirklich weiterbringend?

Die, die auf Klarheit zielt: Was war das Ziel? Welche Annahmen gab es? Welche Alternativen waren realistisch? Welche Kosten hatte jede Option? Und was wird konkret anders gemacht? Weiterbringende Kritik macht Entscheidungen nachvollziehbar und verbessert die nächste Entscheidung. Sie sucht nicht den Schuldigen, sondern den Hebel.

Du willst aus der Druckzone wieder klare Schritte machen?

Wenn Du gerade Verantwortung trägst und merkst, dass Kritik, Erwartungsdruck oder Entscheidungsstress Dein Denken verklebt: Du musst das nicht allein durchkauen.

Im 15-Minuten-Klarheitscall sortieren wir Deine konkrete Situation: Was ist gerade wirklich das Thema, welche Entscheidung steht an, und was wäre der nächste sinnvolle Schritt.

Unverbindlich, klar, ohne Coaching-Floskeln mit Fokus auf Wirkung und Umsetzung.

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